{"id":517,"date":"2020-04-29T08:30:02","date_gmt":"2020-04-29T08:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/kaufen-vom-bautraeger.scheuch.org\/?p=517"},"modified":"2020-04-30T08:14:10","modified_gmt":"2020-04-30T06:14:10","slug":"vpb-baubeschreibungen-gehen-oft-von-idealbedingungen-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kaufen-vom-bautraeger.scheuch.org\/?p=517","title":{"rendered":"VPB: Baubeschreibungen gehen oft von Idealbedingungen aus"},"content":{"rendered":"<p>(PM) Seit der Einf\u00fchrung des neuen Bauvertragsrechts Anfang 2018 haben private Bauherren, die ein schl\u00fcsselfertiges Haus auf ihrem eigenen Grundst\u00fcck ohne eigenen planenden Architekten bauen, das Recht auf eine detaillierte Baubeschreibung. Viele dieser Baubeschreibungen passen aber nicht zum Grundst\u00fcck der Bauherren. Das beobachtet Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger, Sachverst\u00e4ndiger und Leiter des Freiburger B\u00fcros im Verband Privater Bauherren (VPB). \u201eDie meisten Baufirmen setzen bei ihren Angeboten Idealbedingungen voraus, die nicht den Gegebenheiten vor Ort entsprechen \u2013 obwohl die Anbieter den zuk\u00fcnftigen Standort des Hauses kennen\u201c, kritisiert der Experte. \u201eNach Vertragsabschluss kommen dann scheibchenweise die daraus resultierenden Mehrkosten auf den Tisch.\u201c<br \/>\nSo gehen Baufirmen in den Baubeschreibungen beispielsweise von einem ebenen, gut anfahrbaren Grundst\u00fcck aus, einer Schneelastzone 1, mit wenig Schnee, einer Windzone 1, mit geringen Windst\u00e4rken, und einer Erdbebenzone 0 ohne seismische Ersch\u00fctterungen. Auch bei der Bodenfeuchte werden ideale Bedingungen angenommen, die keine besondere Abdichtung gegen Feuchtigkeit erforderlich machen. In der Region, die Marc Ellinger mit seinem Regionalb\u00fcro betreut, zwischen der Rheinebene um Freiburg und dem hohen Schwarzwald, hat er es auf wenigen Kilometern mit fast allen Zonen zu tun: In der Rheinebene schneit es m\u00e4\u00dfig, deshalb geh\u00f6rt die Gegend in die Schneelastzone 1, aber schon im Schwarzwald wird mit Schneelastzone 2a fast der bundesweit h\u00f6chste Wert 3 erreicht. Folglich m\u00fcssen die D\u00e4cher und die gesamte Hauskonstruktion dort stabiler konstruiert sein. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich bei den Erbebenzonen: n\u00f6rdlich der Universit\u00e4tsstadt gilt die moderate Zone 1, im Schwarzwald stellenweise Zone 3, was eine entsprechend aufw\u00e4ndigere Bauweise voraussetzt. \u201eUnd wenn ein Haus am Hang gebaut wird, ist klar, dass es zumindest zur Hangseite hin gegen dr\u00fcckendes Wasser mit Eintauchtiefen unter drei Meter abgedichtet werden muss. Die in der Baubeschreibung standardm\u00e4\u00dfig angenommene und eingepreiste einfache Abdichtung reicht da nicht aus.\u201c<!--more--><br \/>\nWas im \u00e4u\u00dfersten S\u00fcdwesten der Bundesrepublik gilt, trifft auf das gesamte Land zu: Die Zonen variieren zum Teil erheblich. Beispiel R\u00fcgen: Schneelastzone 3, Windzone 3 bis 4, keine Erdbebengefahr. Beispiel Aachen: Schneelastzone 1, Windzone 2, Erdbebenzone 3. Oder Beispiel Berlin: Schneelastzone 2, Windzone 2, keine Erdbebengefahr. Fast nirgends gelten tats\u00e4chlich in allen Bereichen die niedrigsten Einstufungen. Mal ist die Erbebengefahr h\u00f6her, mal weht der Wind st\u00e4rker, mal f\u00e4llt mehr Schnee. \u201eFolglich sind die mit den Idealwerten angebotenen H\u00e4user so gut wie nirgendwo realisierbar. Lediglich im Bereich zwischen Bamberg und Erlangen liegen Schneelast- und Windzone bei 1 und die Erdbebengefahr bei 0. Hier tr\u00e4fen die Angebote zu. Andernorts m\u00fcssen H\u00e4user technisch aufw\u00e4ndiger konstruiert und ausgef\u00fchrt werden\u201c, erl\u00e4utert Marc Ellinger. \u201eSo kommen dann in sch\u00f6ner Salamitaktik scheibchenweise Mehrkosten auf die Bauherren zu.\u201c<br \/>\nTeuer wird auch die in der Baubeschreibung falsch angesetzte Bodenfeuchte. \u201eAllein der Unterschied zwischen einem normalen Keller, mit einfacher Abdichtung, wie er standardm\u00e4\u00dfig angeboten wird, und einem tats\u00e4chlich wasserdichten Keller, wie er am Hang oder bei entsprechendem Baugrund n\u00f6tig ist, schl\u00e4gt mit 8.000 bis 12.000 Euro Extrakosten zu Buche\u201c, erkl\u00e4rt Marc Ellinger.<br \/>\n\u201eSo etwas sollte nicht mehr passieren\u201c, kritisiert VPB-Vertrauensanwalt Holger Freitag, \u201edenn die im Bauvertragsrecht vorgesehenen Baubeschreibungen sollen nicht nur schon vor Vertragsschluss einen verl\u00e4sslichen Vergleich mehrerer Angebote in Bezug auf Preis und Leistung erm\u00f6glichen, sondern auch die f\u00fcr den Bauunternehmer erkennbaren Kostensteigerungsrisiken bei den angebotenen Leistungen erw\u00e4hnen. F\u00fcr die Beschaffenheiten des Baugrunds steht das sogar ausdr\u00fccklich in der Begr\u00fcndung des Regierungsentwurfes des Gesetzes. Immer wieder setzen sich Baufirmen aber dar\u00fcber hinweg oder machen Angaben, die Laien nicht verstehen.\u201c<br \/>\nEs passiert leider immer noch, dass in den Baubeschreibungen die Lastzonen genau benannt, die Bauherren wissen nur nicht, dass f\u00fcr ihr Haus andere Vorgaben relevant w\u00e4ren. Das erfahren sie im schlimmsten Fall erst nach der Vertragsunterzeichnung: Wenn f\u00fcr den Bauantrag die Statik erstellt wird, m\u00fcssen die f\u00fcr den Bauort geltenden Anforderungen angesetzt werden. Dann zeigt sich, was die vor Ort erforderliche Bauweise zus\u00e4tzlich kostet. \u201eIm Idealfall wissen es die Bauherren schon fr\u00fcher, dann n\u00e4mlich, wenn sie die Baubeschreibung vor der Unterschrift von ihrem unabh\u00e4ngigen Sachverst\u00e4ndigen pr\u00fcfen lassen. Die technisch h\u00f6heren Anforderungen m\u00fcssen zwar in jedem Fall erf\u00fcllt werden, aber die Bauherren wissen dann zumindest, warum und welche Mehrkosten auf sie zukommen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(PM) Seit der Einf\u00fchrung des neuen Bauvertragsrechts Anfang 2018 haben private Bauherren, die ein schl\u00fcsselfertiges Haus auf ihrem eigenen Grundst\u00fcck ohne eigenen planenden Architekten bauen, das Recht auf eine detaillierte Baubeschreibung. 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